Vorwort

 
 
Das künstlerische Schaffen von Iwona Bukowski wird von mir bereits seit mehreren Jahren beobachtet. Mit Aufmerksamkeit verfolge ich die nacheinander folgenden Phasen ihrer Arbeit und werde von ihrer künstlerischen Entwicklung immer wieder positiv überrascht.
Iwona Bukowski arbeitet mit einer beeindruckenden Konsequenz an der Vervollkommnung ihrer Technik. Solche konsequente Arbeit trifft man heutzutage immer seltener, was dazu führt, daß immer mehr Maler (und es sind leider zu viele) qualitativ schlechte Werke vorweisen können. Nicht so bei Iwona Bukowski. Doch nicht nur die Arbeitstechnik der Malerin ist bemerkenswert.
Iwona Bukowski zeigt uns die emotionale Wandlung, die sie im Laufe ihres Schaffens gegangen ist. Von den romantischen Arbeiten der achtziger Jahren, geht Sie sanft, wie in Folge einer Evolution, zu expressiven Werken über. Sie spricht die Dinge nicht unmittelbar aus, sondern arbeitet lieber mit Andeutungen. Statt direkt abzubilden verwendet sie eine Art 'lyrisches Nachdenken' über die menschliche Psyche. Dabei hat sie die Gattung der Landschaftsmalerei durchaus nicht vernachlässigt. Mit diesem Motiv konnte sie schon immer gut operieren.
Seit den Jahren 1987/88 beschäftigt sich Iwona Bukowski mehr mit dem Menschen. Dabei zeigt sie nicht nur seine Körperlichkeit, sondern versucht auch sein psychisches Porträt herzustellen. Eine solche Darstellung des Objektes stellt eine für jeden Künstler schwierige Aufgabe dar.
Auch auf dem Gebiet der künstlerischen Ausdrucksmittel unterlag die Kunst von Iwona Bukowski starken Wandlungen. Ihre Bilder charakterisiert eine weiche Formgebung sowie eine sowohl 'lyrische' als auch kräftige Farbigkeit. Man findet in der Kunst von Iwona Bukowski Sanftheit neben einer mit Schmerz geladen Expressivität. Betrachtet man die Arbeiten "Fürsorge" und "Doppelego", erkennt man die Vielfalt der Stimmungen, mit welchen die Künstlerin, dank ihrer Feinfühligkeit, agiert. Diese Vielfalt verdankt sie nicht zuletzt ihrer Begabung mit einer großen Farbenvielfalt perfekt zu arbeiten.
Auf eine interessante Weise fängt sie nun allmählich an mit leichten Linien und hellen Farben fast nebelartige Bilder zu schaffen. Damit zeichnet sich eine neue Phase in der Entwicklung der Künstlerin ab. Die Begegnung mit der Kunst von Iwona Bukowski stellt jederzeit ein ästhetisches und intellektuelles Erlebnis dar. Ihr gelingt es immer wieder den Betrachter ihrer Kunst der brutalen, schnellebigen Welt zu entreißen.


 

 

 
Warschau, 20.10.1998

Dr. Jerzy Rudzinski
Dozent für Malerei und Bühnenbildnerei
an der Akademia Sztuk Pieknych (Kunstakademie) in Warschau
 
 
 
 



 
 
"Ich male aus innerem Bedürfnis und Gefühl heraus".

Dieses Zitat Iwona Bukowskis ist mittlerweile ihr Motto geworden. Es gibt einen Einblick darauf, was Malerei für die Künstlerin bedeutet. Ihre Bilder sind Ausdruck ihres Selbst und nicht selten auch ihrer momentanen inneren Stimmung. Vor allem aber sind sie Ergebnis ihrer Beschäftigung mit dem menschlichen Inneren an sich.
Iwona Bukowskis künstlerischer Werdegang begann in Warschau, wo sie in einer Künstlerfamilie geboren wurde und zuerst russische Philologie studierte, bevor sie sich für das Studium der Kunst an der Warschauer Kunstakademie entschied. Nach dem Studienabschluß unternahm sie, eine für ihre künstlerische Arbeit sehr wichtige Reise durch die damalige Sowjetunion, Skandinavien, die Niederlande und ließ sich von der dortigen Kunst inspirieren. Später lernte sie in Stockholm und in Uppsala bei Prof. Riccardo de la Rossa, einem Schüler von Salvador Dalí.. Dort nahm sie die Möglichkeit wahr ihr Werk weiterzuentwickeln. Seit vielen Jahren wohnt und arbeitet sie nun in Deutschland. Ihre Werke präsentierte Iwona Bukowski bereits in Rahmen mehrerer Ausstellungen in Warschau, Stockholm, London und natürlich auch in Deutschland.
Im Laufe ihres künstlerischen Werdegangs fand sie sehr früh zu ihrem eigenen, sehr spezifischen Malstil. Bewußt arbeitet Iwona Bukowski mit kräftigen Farben und starken Konturen. Sie unterstreichen zusätzlich die Expressivität vieler ihrer Bilder. Aber auch helle Farbtöne werden von der Künstlerin verwendet. Mit ihnen gestaltet sie Werke, die bisweilen an die Kunst der Impressionisten erinnern. Iwona Bukowski malt vorwiegend mit Öl auf Leinwand aber auch Pastellmalerei und Zeichnung sind ihr nicht fremd. Das wichtigste Motiv ihrer Arbeit ist der Mensch, wobei sein Körper eine Art Brücke zu der Psyche darstellt. Die Ängste des Menschen, seine Suche nach dem Sinn, seine Schwächen aber auch seine Träume versucht Iwona Bukowski stets nach außen zu holen und in ihren Bildern zum Ausdruck zu bringen.
Keinen Moment lang wird der Betrachter dieser Werke von Langeweile ergriffen. Während einigen ihrer Bilder von der in ihnen eingefangenen Energie geradewegs zu zerspringen scheinen, sind die anderen hingegen voll von ruhender Stille. Jedes ihrer Werke, ob leicht oder schwer zugänglich erweckt beim aufmerksamen Betrachter schnell ein Gefühl von Vertrautheit. In diesem Sinne wird man von der Kunst Iwona Bukowskis geradezu aufgefordert, sich mit ihren Bildern und zugleich vielleicht auch mit sich selbst intensiv auseinanderzusetzen.


 

 
 
 
 
 
 

Natascha Stelmaszyk, 1999
 
 


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